Faszien und Bindegewebe in der Shiatsu-Paxis
9. März 2019
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Pflichtversicherung für Shiatsu Praktiker*innen

Berufsunfall-Pflichtversicherung in der BGW

Zwischen ca. 130,00 und 170,00 Euro im Jahr wirst Du einkalkulieren müssen – zur Zeit sogar für dieses Jahr bis zu 200 – unabhängig von Deinem Umsatz und Gewinn und unabhängig ob Du freiberuflich oder mit Gewerbe arbeitest und unabhängig, ob Du anderweitig eine Berufs- oder eine allgemeine Unfallversicherung hast. Auch dann, wenn Du im Gesundheitswesen fest angestellt bist.

Hintergrund:

Bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheits- und Wohlfahrtspflege (BGW) heißt es: Kraft Gesetzes sind versichertPersonen, die selbständig oder unentgeltlich, insbesondere ehrenamtlich im Gesundheitswesen oder in der Wohlfahrtspflege tätig sind. GesundheitspraktikerInnen/ShiatsuPraktikerInnen fallen zunächst allein schon durch den Titel unter diese Pflichtregelung.

 Kosten: Die BGW hat einen Einstufungsschlüssel, der sich nach den angewendeten Methoden orientiert und der immer wieder geändert wird. Leider lässt sich die BGW trotz mehrfacher Gespräche nicht darauf ein, GesundheitspraktikerInnen als solche alle gleich einzustufen. Das bedeutet, man muss erläutern, was man macht (siehe unten) und je nachdem wird man zwischen zurzeit 170,00 und ab nächstem Jahr eher 130,00 Euro pro Jahr zahlen müssen.

 Ausnahmen:

Gibt es leider zunehmend weniger, weil die BGW ‚Gesundheitswesen‘ ziemlich weit auslegt. Neuerdings fallen auch die GeistheilerInnen darunter und mit der Berufsbezeichnung GesundheitspraktikerIn/ShiatsuPraktikerIn wird es Dir auch schwer sein, zu begründen, dass Du pures Wellness, Kosmetik oder Coaching nur für den Beruf machst oder überwiegend spirituell priesterlich tätig bist – was die BGW noch nicht unter das Gesundheitswesen subsumiert. Wer klar energetisch oder nur im Wellnessbereich tätig ist, sollte es allerdings durchaus versuchen.

Muss man sich melden:

Im Prinzip Ja. Es gibt eine Meldepflicht und wenn man der nicht nachkommt droht die BGW auch mit Bußgeld – ohne die Höhe anzugeben und ohne dass wir bisher ‚Fälle‘ kennen.  Angenommen Du meldest Dich nicht und Du bekommst eine Aufforderung, dann kannst Du mitteilen, dass Du bisher der Ansicht bist, zu den Ausnahmen zu gehören. Vermutlich musst Du dann rückwirkend auf das laufende und 3 Jahre rückwirkend zahlen müssen.

Wann beginnt die Aufnahme der Tätigkeit? Wenn Du im Web oder sonst in der Öffentlichkeit erkennbar erscheinst und Deine Leistung anbietest – auch dann, wenn Du noch nichts eingenommen hast.

Die Leistungen der beruflichen Unfallversicherung

Unter den beruflichen Unfallschutz fällt alles, was zu Deiner Arbeit gehört, also auch Fahrten und auch Ansteckungen durch Klienten; ebenso Fahrten zu den Weiterbildungen und die Arbeit bei der Weiterbildung.

Die Leistungen der Versicherung gehören wohl zum Besten, was es auf dem Markt gibt:

  • Kosten für eine individuell abgestimmte medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation.
  • Verletztengeld als Ersatz für Verdienstausfall während der medizinischen Rehabilitation.
  • Rente im Fall einer Minderung der Erwerbsfähigkeit

Die Leistungen sind unabhängig davon, wie viel verdient wurde !!

Wo und wie melden:

Servicenummer für Versicherungs- und Beitragsfragen:

Telefon: (040) 202 07 – 11 90, Homepage: www.bgw.de und dort zu den Formularen durchklicken

E-Mail: beitraege-versicherungen@bgw-online.de

Ausfüllen der Meldung, aufgrund derer der Beitrag festgelegt wird:

Bei der Meldung will die BGW wissen, was Du mit welchen Methoden machst. Das machen sie, weil sie nach den Methoden die Gefahrenklassen einschätzen.

Wir raten an, grundsätzlich zu schreiben: Gesundheitspraktische Methodenanwendungen unter anderem aus dem Methodenbereich Gesprächsführung, Entspannungstechniken und – hier dann ggf Spezialmethoden erwähnen.

Erläuterung zur ‚Pflicht‘: Wieso ausgerechnet Arbeit im Gesundheitswesen besonders gegen Unfälle geschützt werden muss – und andere freie Berufe, z.B. Journalisten oder Anwälte oder Lehrer nicht – konnte uns bisher niemand erklären. Vermutlich hat das historische Gründe und war mal gut gemeint. Die BGW selber ist ‚unschuldig‘. Sie bezieht sich auf das Sozialgesetzbuch, d.h. diese Pflicht ist politisch bestimmt worden.

Gerhard Tiemeyer, März 2019

Info aus dem Praxis-Handbuch zur Gesundheitspraxis der DGAM/BfG, dem Kooperationspartner des ShenDo Shiatsu Verbands: www.dgam.de